EBITDA-Marge

Aktualisiert: 18. Dez 2019

Die Value Investor Research GmbH pflegt eine Datenbank mit den Konzernsabschlüssen von über 1000 börsennotierten Unternehmen weltweit. Im Rahmen von diversen Research-Projekten werden diese Daten aufbereitet. Die Ergebnisse sind regelmäßig auch für die Praxis interessant.

Abb. 1: EBITDA-Marge (Quelle: Eigene Erstellung)

Anmerkungen: Alle Angaben in %. Für alle Indizes und Branchen werden im Zeitablauf und Betriebsvergleich jeweils die Mediane angegeben.

EBITDA steht für earnings before interest, taxes, depreciation and amortization. Übersetzt beschrieb das EBITDA also einen „Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen auf Sachanlagen und Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände“. Das EBITDA erhält man, in dem man zum (bereinigten) EBIT-Ergebnis die Abschreibungen auf Sachanlagen sowie auf immaterielle Vermögensgegenstände (Goodwill, Patente etc.) hinzuaddiert.

(1) EBIT (bereinigt)

+ Abschreibungen auf das Sachanlagevermögen

= EBDIT

+ Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände

= EBITDA

Durch Addition der Abschreibungen kommt man von der Ergebnisebene auf die Ebene der nachhaltigen Cashflows. Das EBITDA kann in der Folge als (einfach zu berechnender) nachhaltiger operativer Cashflow vor Steuern interpretiert werden. Das EBITDA-Ergebnis eignet sich insbesondere für grenzüberschreitende Vergleiche der operativen Performance, da alle wesentlichen Verzerrungen auf internationaler Ebene (Abschreibungspolitik, Goodwill-Behandlung, Finanzierungspolitik, Steuersystem) im EBITDA eliminiert sind. Aufgrund der Ausschaltung zahlreicher (schwankender) Größen weist das EBITDA bzw. die EBITDA-Marge eine höhere Stabilität auf als andere Ergebnisse bzw. Margen. Es bietet deshalb eine gute Ausgangsbasis zur Abschätzung der zukünftigen Ertragskraft.

Die alleinige Beurteilung der Ertragskraft anhand des EBITDA ist allerdings problematisch. Ein »Break-Even« beim EBITDA ist wenig beeindruckend. Es kann daraus nur gefolgert werden, dass der Cashflow vor Steuern, vor Investitionen und vor Schuldentilgungen positiv war. Der tatsächlich zur Verfügung stehende operative Cashflow wird durch Steuerzahlungen (zumeist erheblich) gemindert. Darüber hinaus müssen aus dem operativen Cashflow auch noch Schulden bedient (Zinsen, Tilgungen) und notwendige Investitionen finanziert werden.

Betriebsvergleiche von Unternehmen mit unterschiedlicher Kapitalintensität anhand des EBITDA bzw. von EBITDA-Margen machen wenig Sinn. Unternehmen mit unterschiedlicher Kapitalintensität weisen einen unterschiedlichen Bedarf an Ersatzinvestitionen auf und die entsprechenden EBITDA-Ergebnisse sind unterschiedlich einzuordnen. Auch geringere Schulden oder geringere Steuerzahlungen erfordern zur Aufrechterhaltung des Geschäfts niedrigere EBITDA-Ergebnisse. Vergleiche von Bewertungen und Margen auf der Grundlage des EBITDA sind in der Folge am ehesten bei Unternehmen innerhalb derselben Branche mit vergleichbaren Investitionen und Verschuldungsgraden sinnvoll.

Obgleich das EBITDA kaum zur Unternehmenssteuerung geeignet ist, hat sich die Anwendung bei vielen internationalen Unternehmen etabliert. Man beachte aber, dass die Berechnung des EBITDA in den verschiedenen Rechnungslegungen (IFRS, US-GAAP) nicht standardisiert ist. Manche Unternehmen missbrauchen diesen Umstand und weisen an Stelle des EBITDA ein „adjusted EBITDA" bzw. "bereinigtes EBITDA" aus. Die Einstufung von Geschäftsvorfällen als bereinigungswürdiges Ereignis (z.B. Leasing-Zahlungen, Kosten für Rechtsstreitigkeiten, Restrukturierungen, Marketing-Aktionen, Abfindungen) obliegt den Unternehmen und kann sehr willkürlich vorgenommen werden.

Es besteht die Gefahr, dass das „adjusted EBITDA“ zu einem EBBS (Earnings Before Bad Stuff) bzw. EBA (Earnings Before Anything) degeneriert. Besonders fragwürdig wird es, wenn die Unternehmensleitung auf der Grundlage eines „Adjusted EBITDA“ entlohnt wird. Sie können dann ihre Vergütung besonders schnell durch große Übernahmen steigern: Weder Abschreibungen (auf möglicherweise überhöhte Kaufpreise) noch die Kapitalkosten für die Finanzierung werden im Kalkül berücksichtigt.

Mittlerweile hat sogar der Gesetzgeber die Bedeutung des EBITDA aufgewertet, es ist Bestandteil des Steuerrechts. Die Zinsschranke bezeichnete eine Regelung, bei der die Abzugsfähigkeit des Nettozinsaufwands auf einen Betrag von maximal 30 % „des Gewinns vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen auf Sachanlagen und Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände (EBITDA)“ beschränkt wird (s. § 4h EStG).

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